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»Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als dass man verurteile.«
Rudolf Steiner

Lehrplan für Kopf Herz und Hand, am Schüler orientiert


Der Unterricht wird nach Haupt- und Fachunterricht gegliedert.

Wenn das Kind mit etwa 7 Jahren in die Schule kommt, stehen ihm nunmehr Kräfte zum Lernen zur Verfügung, die zuvor als Bildekräfte die Leiblichkeit des Kindes ausgestalteten. So ist es jetzt in der Lage, sich aus der frühkindlichen Lebensphase der Nachahmung allmählich zu lösen. Doch wirken die Nachahmungskräfte noch stark in die ersten Schuljahre hinein. Sie werden aufgegriffen, wenn im ersten Schuljahr gleich mit 2 Fremdsprachen begonnen wird oder wenn die Kinder stricken lernen.

Zudem treten auch Gedächtnisfertigkeiten ein. In den ersten drei Schuljahren lernen die Kinder schnell und mit großer Freude an Bewegungen und Rythmen neue Lieder und Reime ebenso wie Einmaleinsreihen. Die Gedächtniskräfte müssen gepflegt werden. Zugleich müssen sich die Unterrichtsstimmungen entsprechend der zunehmenden Wachheit der Kinder wandeln; aus dem mehr träumenden Miterleben der Märchenstimmung im ersten Schuljahr zu starken Gefühlen des Guten und Schönen im Rahmen der Fabeln und Legenden bis zur Schöpfung der Welt im dritten Schuljahr. All dieses Qualitäten-Erleben wird aufgegriffen beim Aquarellmalen, das den Bewegungssinn anregt, das Formempfinden schult und die motorische Entwicklung begünstigt.

Im zehnten Lebensjahr, also im Verlaufe des dritten Schuljahres, vollziehen die Kinder einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung. Die Einheit mit der Welt zerbricht, Vereinzelungsgefühle treten auf. Aber nun werden die Umgebung und die begleitenden Menschen mit größerer Wachheit und Distanz betrachtet. Diesem "Bruch" aus der Harmonie trägt nun der Lehrplan im vierten Schuljahr Rechnung. Dem Erzählteil im Hauptunterricht liegt die nordische Mythologie zugrunde. Es wird vom Verdämmern des alten übersinnlichen Bewußtseins der Menschen geschildert. Die Götterdämmerung wird in der Edda als Veränderung in der menschlichen wie in der göttlichen Welt dargestellt. Auch die Einführung des Bruchrechnens entspricht dem Entwicklungsstand der Kinder. Das wachere Verständnis und die Fähigkeit, sich den Wesen der Welt gegenüberzustellen, findet nun seinen Ausdruck bei den naturkundlichen Epochen, die nunmehr getrennt als Tierkunde und Heimatkunde dargebracht werden.

Im fünften Schuljahr zeigen sich die Kinder nun als besonders harmonisch. Die Freude an Bewegungen, am Mitwirken und Durchleben von Erlebnissen kennzeichnet dieses Lebensalter. Alles scheint im Gleichgewicht, im Rythmus. Die Kinder offenbaren sich gleich den griechischen Idealen, die sie im Zusammenhang mit den Kulturepochen der Menschheit im Rahmen der Geschichte erfahren und erleben. Als neue Epoche kommt auch die Pflanzenkunde hinzu. Gegen das zwölfte Lebensjahr kündigt sich ein Entwicklungsprozess an, der sich bis zum vierzehnten Lebensjahr hin erstreckt - die Vorpubertät und die sich anschließende Pubertät. Neben den leiblichen Wachstum- und Wandlungsprozessen beginnen auch geistig-seelische Kräfte zu erstarken, die einer Führung durch die eigene Individualität bedürfen. Mit diesen neu erwachsenen Seelenräumen will die Welt erschlossen werden. Nun beginnen die intellektuellen Kräfte den jungen Menschen zu befähigen, die Welt in kausalen Zusammenhängen zu verstehen, die Welt gedanklich zu erfassen. In den Gebieten der leblosen Natur sind Phänomene wahrzunehmen, Veränderungen zu beobachten wie in der neu eingeführten Physikepoche. In der Gesteinskunde sind leblose Mineralien Gegenstand der Erörterung. Aus dem Ganzen gliedert es sich immer weiter in einzelne Vielheiten. In der Sprachlehre stehen Satz- und Wortgliederungen im Mittelpunkt, in der Mathematik das Prozent- und Zinsrechnen. Diese Entwicklungsschritte finden ihren Ausdruck auch in den folgenden Jahren.

In der siebten Klasse wird die Natur unter der Betrachtung der chemischen Ernährungslehre erläutert. In der 8.Klasse schließlich stehen 2 besondere Vorhaben im Mittelpunkt: Das Klassenspiel ermöglicht den Schülern und Schülerinnen, in andere Rollen und Charaktere einzutauchen und dadurch sich selbst zu erleben. Zudem ist es eine gemeinschaftliche, soziale Aufgabe, in der jeder Schüler seinen Beitrag leistet. Eine eigene, individuelle Arbeit kommt dagegen zum Ausdruck, wenn jeder Achtklässler seine Jahresarbeit, die er selbst gewählt hat, vorträgt und zur Ausstellung bringt. Durch diese eigenständige Leistung hat er sich Fähigkeiten erworben, die er in der dann folgenden Oberstufe weiterentwickeln kann.