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»Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als dass man verurteile.«
Rudolf Steiner

Computerkunde in der Oberstufe


Zur Zeit ist das Fach Computerkunde in der neunten, zehnten und elften Klasse Teil des Lehrplans. In der neunten Klasse ist das Fach verpflichtend, in der zehnten und elften Klasse steht es als Wahlmöglichkeit neben den anderen Fächern des Kunst-Handwerklichen Bereichs.

Unser modern ausgestatteter Computerraum verfügt über 12 vernetzte Arbeitsplätze plus einem Lehrerplatz, von dem aus die Schülerarbeitsplätze gesteuert werden können. Dies geschieht über eine spezielle Ausrüstung aus Hard- und Software, die auf die besonderen didaktischen Anforderungen des Schulunterrichts ausgelegt ist. Alle Rechner sind breitbandig an das Internet angebunden. Die Computertische, in denen die Flachbildschirme unter einer Glasplatte eingelassen sind, wurden eigens im Werkunterricht an der Schule angefertigt und gewährleisten, dass sich das Medium schon auf der physischen Ebene nicht zwischen Lehrer und Schüler stellt. Die Einrichtung des Raumes unterstützt den waldorfpädagogischen Ansatz, dass auch im Computerunterricht nicht das Gerät sondern der Mensch im Mittelpunkt steht.

Im Fach Computerkunde setzten wir uns mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie im Allgemeinen auseinander. Der Unterricht thematisiert nicht nur den PC im Sinne des persönlichen Computers. Es werden auch andere digitale Geräte wie beispielsweise Mobiltelefone, Navigationsgeräte oder RFID Chips behandelt. Die Schüler lernen, aus welchen Komponenten ein PC besteht, oder wie ein Handy grundsätzlich technisch funktioniert. Es wird der Einsatz von Standardprogrammen, wie z.B. Browser, Textverarbeitungs- oder Präsentationssoftware eingeübt. Am Ende der Computerkunde-Epoche in der neunten Klasse hat jeder Schüler ein Epochenheft mit Hilfe von MS Word erstellt. Ziel in der zehnten Klasse ist das Erstellen und Halten einer Präsentation mit MS Powerpoint.

Zum Unterricht hinzu gehören Fragen nach der Privatsphäre und dem Datenschutz ebenso wie das Thematisieren der Grenzen des Umgangs mit den digitalen Medien - sei es technisch oder sozial. Die öffentlichkeit von sozialen Netzwerken wie schueler.vz oder facebook, die Rechtmäßigkeit von Linklisten auf Streamingseiten wie kino.to oder alluc.org, das Urheberrecht im Falle von mp3-Dateien aus p2p-Tauschbörsen, die Zuverlässigkeit von Informationen aus der Wikipedia – all das sind Themen, die den Alltag der überwiegenden Zahl von Schülern direkt betreffen und die im Fach Computerkunde behandelt werden.

In der didaktischen Gestaltung des Unterrichts wird versucht, bei den Schülerinnen und Schülern eine innere Fragehaltung anzulegen, die über das Kennenlernen und Ausprobieren der Möglichkeiten hinausgeht. Die technische Ausstattung des Computerraumes erlaubt uns ein freies und aber auch verantwortliches Umgehen mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie. Wir wollen aktuelle Entwicklungen und Trends aufmerksam beobachten und beurteilen. (Das Herausbilden der Urteilsfähigkeit in der Entwicklung des Kindes ist ein Grund dafür, dass der Computerkunde-Unterricht nicht in der Unterstufe gegeben wird.) Dies erfordert einen ganzheitlichen Blick auf den computertechnischen Fortschritt, der neben den Möglichkeiten auch die Grenzen und Gefahren umfasst, diese aber nicht in den Vordergrund stellt. Die Schüler werden dazu angeleitet, die zeitgenössische Technik bewusst nutzen zu lernen und sich in ein gesundes und entwicklungsgemäßes sowie freies und selbstbestimmtes Verhältnis zu ihr zu setzen.

In der elften Klasse werden Grundelemente der Digitaltechnik besprochen. Ausgehend von Betrachtungen zur künstlichen Intelligenz wird der Vorgang des Rechnens im Computer am Beispiel der Addition zweier 4-bit Zahlen untersucht. Anhand der fertig aufgebauten und benutzten Rechenmaschine wird ihre Arbeitsweise analysiert und aufgrund des erfolgten Einblicks hinter die Kulissen die Frage erneut aufgegriffen, in wie weit die von der Maschine durchgeführte Tätigkeit des Rechnen eine Intelligenzleistung darstellt. Zum Abschluss des Praktikums wird eine Arithmetisch-Logische-Einheit (ALU) in Betrieb genommen.

Text: Karsten Junker, Stefan Theisen

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